Off-Theater nrw -
Theater, Tanz und Kultur

Dana Brüning (l.), Marco Tebbe (r.) Vollzeitausbildung Theaterpädagogik

Dana und Marco, ihr habt im März 2011 die Vollzeitausbildung zum/zur Theaterpädagoge/in BuT® beim Off-Theater nrw abgeschlossen. Was war Euer Motiv für die Teilnahme?

Dana: Ich habe mich schon mein Leben lang mit dem Theater beschäftigt. Seit meinem 12. Lebensjahr habe ich selber gespielt. Irgendwann hat mir das nicht mehr ausgereicht und ich wollte auch „hinter die Bühne“. Also habe ich die Regieassistenz bei einer Produktion übernommen und eine Schulklasse auf dem Weg zu ihrer Aufführung begleitet. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass ich nichts anderes mehr machen will. Also entschied ich mich für die Praxisausbildung „Theaterpädagogik“, da ich es überaus wichtig fand, ebenfalls pädagogische Ziele zu vermitteln.

Marco: Mein Motiv für die Teilnahme war, dass ich innerhalb eines Jahres möglichst viel vom Theater und auch über den Menschen lernen wollte. Ich habe stets eine Anziehungskraft zu dieser Welt empfunden und wollte ihr nun endlich "Futter" geben.

Ich erwartete und wünschte mir kompetent angeleitete Eindrücke und Vertiefungen in den Bereichen Schauspieltechnik, Regie, Improvisationstheater usw. Das ist der Teil, den ich für mich ganz persönlich brauch(t)e. Daneben interessierte mich auch die "Verknüpfung", die Verbindung des Theaters mit der Pädagogik. Da ich selbst vorab in den Niederlanden Sozialpädagogik studiert hatte, wo man als Student kreative Fächer wählen kann, hatte ich bereits einen Eindruck von theaterpädagogischer Arbeit erhalten. Allerdings war mir das noch zu oberflächlich und ich wollte, wie gesagt, im theatralen Bereich eine Vertiefung der Eindrücke erleben. Kurz und zugespitzt: Ich wollte die Möglichkeit bekommen mit Klienten, verschiedenen Zielgruppen, nicht nur kleine "Spielchen und Szenchen" spielen, sondern (noch) konkretere Techniken an die Hand bekommen, Menschen ins Spiel zu bringen.

Inwieweit profitiert ihr von den beiden Fortbildungen in persönlicher Hinsicht?

Dana: Vor dieser Ausbildung habe ich stets Schwierigkeiten gehabt, Dinge zu benennen. Sowohl im privaten, als auch im beruflichen Leben. Allerdings konnte ich durch die Fortbildung mein Feingefühl weiterentwickeln. Dadurch schaffe ich es nun, Probleme oder Angelegenheiten auf den Punkt zu bringen. Meistens jedenfalls. Ich habe mich persönlich sehr weiterentwickelt und mich selber besser kennen gelernt.

Marco: In persönlicher Hinsicht profitiere ich davon, endlich für mich selbst einen Zugang zum Theater gelegt (bekommen) zu haben. D.h., ich konnte mir verdeutlichen, dass Theater eine Welt ist, die mich bereichert und mir auch Zufriedenheit gibt. Ich denke, dass du dich in einem geschützten Rahmen mit den verschiedenen Facetten des Lebens auseinandersetzen kannst und es sich positiver anfühlt als die alltägliche Umwelt, die durch ihre extrem vielen und dauerflimmernden Eindrücke auf uns alle eindrückt (die Intensität empfindet natürlich jeder anders). Theater gibt mir so die Möglichkeit mich gleichzeitig mit der Umwelt auseinanderzusetzen, sie ein Stück weit auszusetzen, und möglichst auf der Bühne, in der gemeinsamen Arbeit neues zu schaffen. Das lässt mich wohl wachsen. Daneben hatte ich tatsächlich das Glück, viele tolle Leute kennen zu lernen, sei es im Off-Theater, in unserem Kurs selber oder auch in meiner Praktikums- und Projektzeit. Diese Freundschaften und Kontakte ermöglichen mir neue und tolle Erfahrungen.

Welche fachlichen und methodischen Anregungen konnten Dir die Fortbildungen vermitteln?

Dana: Ich möchte gar nicht auf konkrete Methoden oder Fächer eingehen. Ein/e Theaterpädagoge/in ist nicht nur Pädagoge, sondern auch Regisseur, Dramaturg, Sprecherzieher, Tänzer, Organisator, Pressesprecher und vieles mehr. Der umfangreiche und abwechslungsreiche „Stundenplan“ dieser Fortbildung hat mich immer wieder daran erinnert. Ich wurde in jeglicher Hinsicht auf meine Arbeit als Theaterpädagogin vorbereitet.

Marco: Da vieles für mich ja noch Neuland war habe ich natürlich sehr viele Anregungen in dieser Hinsicht bekommen. Da bräuchte man sich ja nur den Stundenplan anschauen: Sei es Schauspiel, Regie, Maskentheater, Tanz usw. Was ich nochmal hervor heben möchte, da es doch immer wieder eine tolle Sache ist es selber zu tun und zu erleben und ich es zwar auch durch mein erstes Studium, in einer bestimmten Form, kannte, ist einen thematisch "roten Faden" in der eigenen Arbeit zu stricken oder von anderen gestrickt zu bekommen und so, manches Mal, organisch und gleitend durch verschiedene Übungen ins Spiel zu gelangen. Das ist eine Fähigkeit die gerade bei Laien zu wundervollen Erfolgsmomenten führen und wohl glorreiches Spiel und schöne gemeinschaftliche Momente aus Einzelnen und einer Gruppe "heraus kitzeln" und fühlbar machen kann. Ich denke, das ist ein Beispiel, wo ich durch die Ausbildung deutlich etwas mitgenommen habe!

Was ändert sich durch die Teilnahme in beruflicher Hinsicht?

Dana: Kurz bevor ich mich für die Theaterpädagogik entschieden habe, beendete ich eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau. Mein Ziel war es schon immer am Theater zu arbeiten, jedoch habe ich schnell gemerkt, dass die kaufmännische Ausbildung dazu nicht ausreicht. Nun kann ich in meiner Selbständigkeit diese Ausbildungen kombinieren und so kaufmännisch, künstlerisch und pädagogisch arbeiten.

Marco: In beruflicher Hinsicht habe ich nun einfach mehr Möglichkeiten in Bezug auf meine Arbeitsfelder und -orte. Nun kann/könnte ich auch an einem Theater arbeiten und habe auch z.B. die Möglichkeit, Theaterprojekte in den verschiedensten (sozialen) Einrichtungen zu machen. Durch die Kontakte, die ich in meiner Ausbildungsgruppe und gerade auch durch mein Praktikum und mein Projekt, geknüpft habe sind im vergangenen Jahr einige Jobmöglichkeiten entstanden. Ich denke, das ist für jeden der theaterpädagogisch arbeiten und eine Fortbildung machen will, eine wichtige Information.

Was genau ist dein derzeitiges Berufsfeld?

Dana: Ich habe mich im September 2011 dazu entschlossen, mich als freiberufliche Theaterpädagogin selbstständig zu machen. Bisher konnte ich meine Pläne verwirklichen und arbeite derzeit am Theater und an einer Schule. Natürlich hoffe ich, dass noch die ein oder andere weitere Schule hinzu kommt.

Marco: Mein Hauptjob liegt derzeit noch in der sozialen Arbeit. Dann habe ich ein, zwei theaterpädagogische Projekte am Köcheln. Und nächste Woche habe ich ein Vorstellungsgespräch an einem Theater!